Was tun, wenn das Unsichtbare plötzlich real wird? Immer mehr Kinder und Jugendliche werden im Internet Opfer von Cybergrooming, radikalisierenden Gruppierungen oder gewaltverherrlichenden Online-Communities. Die Täter sind häufig männlich, oft anonym – und nicht selten ganz anders als sie sich online darstellen.
Ein erschütternder Fall: Die Festnahme eines 20-jährigen Hamburgers, der unter dem Namen „White Tiger“ agierte, zeigt das grausame Ausmaß digitaler Gewalt. Über Jahre hinweg soll er als Kopf der Gruppe „764“ über soziale Netzwerke Kinder emotional abhängig gemacht, sie manipuliert, erpresst und zu schwersten Handlungen gedrängt haben – bis hin zum Suizid eines 13-jährigen Jungen, live im Netz gestreamt. Die Tätergruppe operierte international, mit Verbindungen zu Rechtsextremismus und Sadismus.
Solche Fälle bleiben nicht die Ausnahme. Kinder verbringen zunehmend Zeit in digitalen Räumen – oft unbeobachtet. Was wie ein harmloser Chat beginnt, kann schnell gefährlich werden. Deshalb ist es zentral, über Schutz- und Stärkungsmaßnahmen informiert zu sein.
Mögliche Warnzeichen sind:
- Heimliches oder exzessives Chatten auf Plattformen wie Discord, Telegramu. ä.
- Unerklärliche Geschenke oder anonyme Paketsendungen.
- Rückzug, starke Stimmungsschwankungen, Selbstverletzungen.
- Interesse an extremistischen Inhalten, auffällige Symbole.
- Veränderter Freundes- und Bekanntenkreis.
- Verändertes Körperbild oder ungewöhnliche Kleidung zur Hautverdeckung.
- Verletzte oder verängstigte Haustiere.
- Vernachlässigung von Schule, Hobbys oder bisherigen Interessen.
Was Eltern konkret tun können:
- Kinder stärken: Selbstwertgefühl, Vertrauen, Klarheit über Grenzen und das Recht, Nein zu sagen und um Hilfe zu bitten.
- Technische Schutzmöglichkeiten nutzen (z. B. Jugendschutzfilter).
- Gemeinsame Absprachen zum Onlineverhalten und den Kontakten in Chaträumen treffen.
- Regelmäßige, offene und urteilsfreie Gespräche über digitale Erlebnisse führen. Echtes Interesse an Online-Aktivitäten und digitalen Kontakten zeigen.
- Offen über die Gefahr sprechen, dass Online-Profile nicht immer der Realität entsprechen.
- Auf Warnzeichen wie Rückzug, neue Online-Freundschaften oder Verhaltensänderungen achten.
- Aufklärung darüber, dass es unangemessenen und peinliche Bilder, Videos oder Nachrichten geben kann und wem sich die Kinder dann anvertrauen können.
- Die Vereinbarung einer weiteren Vertrauensperson ist für Kinder hilfreich. Denn manchmal gibt es Situationen, wo es ihnen zu peinlich ist mit den eigenen Eltern zu reden.
- In der Schule nachfragen, ob und wann ein Computerführerschein durchgeführt wird.
- Sichtbare Notrufnummern am Kühlschrank anbringen, z. B. www.klicksafe.de, www.nummergegenkummer.de, Telefonseelsorge 0800 1110111 / 0800 1110222.
- Selbst ein vorbildliches digitales Verhalten leben.
- Bei Verdacht oder einem konkretem Vorfall: Anzeige bei der Polizei stellen. Auch wenn Täter anonym erscheinen, stärkt eine Anzeige die eigene Selbstwirksamkeit und unterstützt mögliche Ermittlungen.
Fazit
Online-Gewalt ist real – doch es gibt Wege, präventiv zu handeln. Bezugspersonen spielen eine entscheidende Rolle dabei, Kindern Schutz, Halt und Orientierung zu geben. Es braucht Wissen, Achtsamkeit, die Bereitschaft zuzuhören und aktives Handeln.




